Spangen-

-steine

Von dem altgriechischen Wort tróchos, das Rad, leitet sich die Bezeichnung für die fossilen Lebewesen ab, denen wir unsere SPANGENSTEINE verdanken. Trochiten nennt man die vielen Formen von Seelilien, und Trochitenkalk heißt eine kalkige Gesteinsschicht hier im Spangenberger Land. Die Spangensteine sehen auch wie kleine Räder aus.
Von Generation zu Generation werden die bekannten Fundstellen dieser besonderen Fossilien in unserem Heimtraum weitergegeben. Eltern helfen ihren Kindern, Großeltern ihren Enkeln beim Suchen, sei es in der Nähe des DGH Elbersdorf, am Nordhang des Teichberges, dort wo die Landstraße nach Bergheim eine Kurve macht, oder an anderen Stellen mit den fossilführenden Kalksteinschichten, die sich vor 235 bis 243 Millionen Jahren im Meer des sogenannten Mittleren Muschelkalks gebildet haben.

Dort, wo sich heute Deutschland befindet, breitete sich damals ein flaches Meer aus, das die Fachleute als 'Germanisches Becken' bezeichnen. Das Wasser darin muss recht warm gewesen sein, denn damals lag unser Kontinent noch zwischen 20° und 25° nördlicher Breite, also viel weiter südlich in Gebieten mit tropischem bis subtropischem Klima.

In diesen Gewässern herrschten optimale Wachstumsbedingungen für allerlei Meeresgetier, auch für Seelilien, Gewächse mit langen, gegliederten Stängeln und einer Krone mit zehn oder zwanzig federfeinen Armen, die diese Lebewesen nutzen, um kleinste Meeresorganismen im Wasser zu fangen.

Was wir als Spangensteine kennen, sind die versteinerten Glieder dieser Seelilien-Tiere, von denen es über 600 verschiedene Arten gibt. Ganz selten findet man in den kalkigen Gesteinsschichten auch eine beinahe vollständig erhaltene Seelilie, deren Stängel noch unversehrt ist und die noch ihre Krone zeigt.
im Heimatmuseum Spangenberg:
Sammlung von Spangensteinen

im Heimatmuseum Spangenberg:
Spangensteine auf einer Kalksteinplatte

im Heimatmuseum Spangenberg:
komplettes Seelilien-Fossil

Zum Stadtfest 1959 (650-Jahrfeier zur Erneuerung der Stadtrechte durch die Ritter von Treffurt) hatten die Organisatoren eine pfiffige Idee:
Sie ließen aus Messing einen Anhänger fertigen, der das Stadtwappen zeigte, und platzierten einen winzigen Spangenstein genau in die Mitte des Schmuckstücks.