1357 in einem hessischen Städtchen unter der Spangenburg,
wo der Landgrafensohn Otto der Schütze residiert . . .
Kuno und Else leben dort und fühlen sich einander in Liebe verbunden,
doch Alhard Sinning, Elses Vater und Bürgermeister der Stadt,
möchte seine Tochter standesgemäß mit dem Sohn des Amtmanns verheiraten.
Sinning will die andauernde Wassernot der Stadt beenden
und eine Leitung von der Quelle im Wald bis auf den Marktplatz bauen lassen,
doch ihm fehlen die Arbeiter.
Für eine Heirat mit dem Segen des Vaters müssen sich Kuno und Else
auf ein verhängnisvolles Vorhaben einlassen.
Aus einer Festschrift anlässlich der "Enthüllungsfeier" des Liebenbach-Denkmals auf dem Martktplatz am 7. September 1902:
Die Liebenbach-Sage.
Die Stadt Spangenberg wird durch die im Jahre 1901 gebaute Hochdruckwasserleitung reichlich mit gutem Trinkwasser versorgt.
Das Wasser wird den am südlichen Abhang des Bromsbergs entspringenden Quellen entnommen, welche der Stadt
schon seit unvordenklicher Zeit ihr Wasser in stets gleicher Güte früher in Holzröhren, seit 1868 in Thonröhren
durch frei an den Strassen laufende Brunnen spendeten.
Über die erste Anlage dieser Wasserleitung berichtet die Sage folgendes:
Bis in das 13. Jahrhundert entbehrte Spangenberg jenen hellen klaren Bach, welcher am Bromsberge
- im sogenannten Blauforst, in der Gegend vom Hof Dinkelberg - entquillt, sich durch den Giersgrund, dem Fuße des Bromsberges,
schlängelt und zum Ober- und Hainthore Spangenbergs fließt. Lange schon war es der Wunsch gewesen,
dieses Wasser nach Spangenberg zu leiten (denn damals hatte man auch noch nicht den Glasebach,
welcher erst später nach Spangenberg geführt wurde), aber die Arbeit dünkte Vielen zu kostbar und beschwerlich zu sein,
denn über eine Stunde weit mussten Graben und Kanäle angelegt und in Rinnen und Röhren das Wasser geleitet werden.
Mancher Bürgermeister hatte wohl den Plan gehabt, sich durch Ausführung der Sache einen Namen
auf ewige Zeiten zu gründen, aber die Vollbringung scheiterte stets an den Klippen, welche ein sachweiser Magistrat
rücksichtlich der schweren Kosten entgegenstellte.
So musste dann endlich die Liebe, welche wohl überhaupt die klarsten - leider! aber auch die trübsten Bäche
in das Leben der Sterblichen von jeher leitete, auch dieses Werk begründen, das noch jetzt
ein Segen für die Stadt ist und den Namen seiner Baumeisterin führt, "Liebenbach" (Bach durch Lieben).
In den Fünfziger Jahren des 14. Jahrhunderts residierte der Landgrafensohn Otto mit seiner Gemahlin
auf der Burg oberhalb der Stadt. Mit seinem Vater Heinrich, der auch 'der Eiserne' genannt wurde und vorwiegend in Kassel oder Marburg wohnte,
führte er die Regierungsgeschäfte. Gleichzeitig war Otto kaiserlicher Statthalter in Mühlhausen.
Landgraf Heinrich war häufiger in Spangenberg zu Besuch. Seinen Sohn und ihn verband eine tiefe Leidenschaft zur Jagd.
1349/ 1350 erreichte die Pest, der 'schwarze Tod', das nördliche Hessen. Viele Menschen fielen ihr zum Opfer, und es dauerte Jahre,
bis sich die Überlebenden in den Dörfern und Städten von dieser verheerenden Seuche erholen konnten.
Die Stadt Spangenberg war mit einer hohen steinernen Mauer, mit Türmen und Toren, umgeben.
Die Bürger waren zumeist Bauern, gingen aber häufig auch handwerklichen Tätigkeiten nach.
Die Stadt besaß eine regionale Marktposition, weil sich unter der Burg zwei Handelsstraßen kreuzten.
Spätestens seit dem 13. Jahrhundert organisierte man sich nach dem 'Lippstädter Recht', ein Ansammlung von stadtrechtlichen Statuten,
die aus dem 'Soester Recht' hervorgegangen waren und die von zahlreichen Hansestädten der damaligen Zeit genutzt wurden.
Welche Menschen, welche Familien im Spangenberg der damaligen Zeit innerhalb der Stadtmauern lebten, liegt völlig im geschichtlichen Dunkel.
Außer den handelnden Personen aus dem Theaterstück von Karl Engelhard sind alle Figuren in diesem Roman frei erfunden.
Um das Jahr 1350 lebten in Spangenberg ein Jüngling und eine Jungfrau. Beide wollten sich gerne heiraten.
Der Vater des Mächens war es aber nicht zufrieden. Endlich gab er nach und sagte: "Wenn ihr die gute frische Quelle
oben vom Berg ganz allein in die Stadt leitet, dass wir Wasser bekommen, dann sollt ihr euch haben." ...
So beginnen die GEBRÜDER GRIMM die alte Spangenberger Sage, die allerdings über andere literarische Wege
zu einer Theaterfassung fand, die - jeweils zu den Jubilämsfeiern der Stadt - alle 25 Jahre als Drama in fünf Akten auf die Bühne gebracht wird.
Schon zu Beginn des 19. jahrhunderts schildert FRIEDRICH LANGBEIN (1757-1833) das Schicksal der beiden Liebenden.
Er nennt sie Heinrich und Leonore.
Der Lehrer ALEXANDER DICKHAUT fasst die Sage Mitte des 19. Jahrhunderts in eine Novelle
und verwendet die Namen Kuno, Else, Bürgermeister Sinning und Pater Hilarius.
Drei Jahrzehnte später verfasst HEINRICH BERTELMANN die romantische Erzählung 'Der Liebenbach', und KARL ENGELHARD
lehnt sich beim Schreiben seines Theaterstücks stark an diese Erzählung an.
1909 wird 'Kuno und Else' als Theaterfestspiel von Spangenberger Laienspielern uraufgeführt.
Die Handlung in der Theaterfassung bildet auch den Rahmen für die hier erscheinende Romanfassung.
Peter Slaby, Jahrgang 1952, ist im westfälischen Soest geboren und aufgewachsen.
Seit 48 Jahren lebt er mit seiner Frau im hessischen Spangenberg.
Bis heute faszinieren ihn die Schönheit und die reichhaltige Kultur und Geschichte
seiner nordhessischen Wahlheimat.
Alle 25 Jahre wird zum Spangenberger Stadtjubiläum
das Theaterfestspiel "Kuno und Else" aufgeführt.
1984 spielte Peter Slaby selbst den Kuno, 2009 übernahm er
die Gesamtleitung für das dramatische Theaterstück.
2023 - als Ruheständler - entschloss er sich, die Spangenberger Liebestragödie
im zeitgenössischn Kontext des 14. Jahrhunderts neu zu erzählen.
An dieser Stelle möchte ich mich bei all denen bedanken, die mich bei meinem Buch-Projekt unterstützt haben.
Mein Dank geht an diejenigen, die einen kritischen Blick auf das Geschriebene geworfen haben:
An meinem Freund und Mentor Gert H., dem wahren Bücherfreund und Kenner der Literaturszene, und an seine Frau Regina C. sowie an Angela B.
Von meinem ehem. Hausarzt Dr. Joachim H., unserem Bäcker i.R. Wilhelm M. und dem Ziegenbauern Holger B. aus dem Kellerwald
erhielt ich jeweils spezifische Sachinformationen.
Aus der Spangenberger Perspektive betrachteten Wilhelm und Ilse S., Peter L., Helmut R. und Rita V. das Werk.
Sie alle kennen die inhaltliche Basis meines Romans, das Grimm'sche Liebenbach-Märchen und besonders das Theaterstück "Kuno und Else".
Eifrig lasen sie alle drei Teile, korrigierten manches und hatten gute Vorschläge für verbesserte Formulierungen.
Meine Schwägerin Gerda S. half mir, das Glossar im Anhang des Buches anzulegen.
In erster Linie gilt aber der Dank meiner lieben Frau Margit. Drei Jahre lang hat sie mir mit Geduld
und Ermutigung geholfen, Dinge akribisch zu recherchieren und Antworten auf die zahlreichen Sachfragen zu finden.
In das Lektorieren und Fehleraufspüren hat sie sehr viel ihrer freien Zeit gesteckt. Danke dafür!